Gibt es gutes Fernsehen nur noch bei Tele 5?
Tele 5 hat groß eingekauft und sendet in dieser Woche gleich vier TV-exklusive deutsche Satire- und Comedyformate. Damit will der Sender nicht nur sein Angebot erweitern, sondern auch inhaltsbetonten Formaten eine Plattform bieten.
Eigentlich sind es nur vier Unterhaltungsformate. Doch der Sender Tele 5 bewirbt seine Neuzugänge werbewirksam als „Comedyoffensive“, „Intelligenzoffensive“ und „Atta5ke“ gegen den etablierten Fernsehbetrieb. Die Implikation: So gutes Fernsehen gibt es nur noch bei uns.
Damit könnten sie Recht haben. Am Donnerstag liefen Christian Ulmens Charakter-Comedy „ulmen.tv“ in neuen und alten Folgen, „Rüttens Bullshit Universum“ des Ex-„Harald Schmidt Show“-Chefautors Peter Rütten und Benjamin von Stuckrad-Barres Late-Night-Polittalk „Stuckrad-Barre“ auf Tele 5 an. Freitags gesellt sich Oliver Kalkofe mit neuen Folgen „Kalkofes Mattscheibe“ zum Trio.
Ein „Let’s go!“ für neue Formate
Tele 5-Geschäftsführer Kai Blasberg erklärt FOCUS Online die Neuzugänge folgendermaßen: „Wir möchten das ursprüngliche Lebensgefühl des Fernsehens wieder holen. Dieses Schöne, Wertige, Nachhaltige, Unterhaltende, das uns früher ans Fernsehen gefesselt hat.“ Bislang lebte der Sender seine Nostalgie größtenteils mit dem Senden alter Serien und B-Movies aus. Nun wolle man sich aber gezielt in Richtung „intelligent gemachte Fernsehunterhaltung“ weiterentwickeln, was „ein besseres Renommee“ des Senders herbeiführen solle.
Benjamin von Stuckrad-Barre ist einer der Protagonisten, mit dem dieses Vorhaben umgesetzt wird. Er wurde vom kleineren Spartenkanal ZDFneo abgeworben, um sein Late Night-Format auf Tele 5 umzusetzen. Der öffentlich-rechtliche Sender sei zwar vom Format überzeugt gewesen, habe aber mit einer Fortsetzung in die dritte Staffel gezögert, so Stuckrad-Barre. Dann habe Blasberg Initiative gezeigt und den Deal besiegelt: „Kai Blasberg ist jemand, der mir glaubwürdig vermittelt: ‚Let’s go!‘ Und nur so macht es mir Spaß.“
„Wir sind nicht immer Weltklasse“
Ob ihm das Umfeld bei Tele 5 genau so viel Spaß machen wird, lässt sich schwer vorhersagen. Auf Stuckrad-Barres neuem Sendeplatz lief in der Vorwoche noch ein Zombieschocker, neben den Comedy-Formaten hat Tele 5 erst im September auch den Hausfrauenfavoriten „Reich und Schön“ im Programm begrüßt. Der Moderator selbst macht sich hier allerdings keine Sorgen: „Man macht die Sendung dort, wo man das machen darf und wo Menschen wirklich Lust darauf haben. Ich mache es nicht vom Image irgendwelcher Institutionen abhängig.“
Blasberg sieht die kreischend bunte Mischung des Senders zwischen Trash und Satire nicht problematisch: „Wir wissen, was wir tun. Das ist nicht immer Weltklasse, aber wir machen es gerne.“
„Menschenverachtende“ Sendungen auf großen Sendern
Das kommt Oliver Kalkofe gelegen. In seiner „Mattscheibe“ zieht er über alle Fernsehformate her, die weit unter Weltklasse liegen. Im teilweise trashigen Umfeld bei Tele 5 fühle er sich „bestens“ aufgehoben, weil der Sender ehrlich zu den Inhalten stünde: „Mir ist jede noch so schmalzige alte Trash-Serie und jedes vermurkste B-Movie tausendmal lieber als all die menschenverachtenden Scripted Realities und Doku-Soaps der vermeintlich größeren Programme. Der große Vorteil von Tele 5 ist: dort behauptet man gar nicht, man sei etwas Besseres.“
Allerdings bedeutet der Wechsel des Formats zu Tele 5 und die teilweise Verlagerung ins Internet auch einen Abstieg in Sachen Quote und Größe: Zwischen 2003 und 2008 wurden mehrere Staffeln mit sendergemäßen Quoten auf ProSieben ausgestrahlt. Für eine neue Staffel sei Kalkofe zwar laut eigener Aussage gegenüber FOCUS Online schon mehrfach mit „größeren Sendern“ im Gespräch gewesen, doch „am Ende kam immer ein Controller vorbei und rechnete vor, dass es für das Geld doch einfach zu riskant wäre.“
Qualitative Inhalte unter Quotendruck kaum möglich
Heißt der Wechsel der Satireformate in die Nische also, dass die großen Sender inhaltsbetonten Sendungen – allein schon finanziell – keine Plattform mehr bieten? „Solange die Zahl immer weiter nach vorne geschoben wird und wichtiger als der Inhalt der Sendung ist, dann wird gutes und ideenreiches Fernsehen nur noch beim kleinen Sender oder im Internet stattfinden können. Wachstum in Zahlen interessiert mich nur dahingehend, dass wir Gewinne machen,“ meint Blasberg dazu.
Stuckrad-Barre rät davon ab, einen Zusammenhang zwischen Quoten und Qualität einer Sendung zu sehen: „Das würde ja bedeuten, dass zum Beispiel Florian Silbereisens Sendung eine der besten im deutschen Fernsehen ist. Das ist aber alles nur Marketing. Für jemanden, der inhaltlich etwas herstellen will, hat sowas scheißegal zu sein.“
Dabei schlägt sich Tele 5 zahlentechnisch über die letzten Jahre hinweg immer besser – und hebt diese kleinen Erfolge auch sehr stolz in Pressemitteilungen hervor. Der Sender meldete zuletzt einen durchschnittlichen Tagesmarktanteil von 1,4 % und liegt damit teilweise sehr deutlich vor vergleichbar großen Sendern wie n-tv, Sport1 oder Das Vierte. Den großen Unterschied bringt Blasberg folgendermaßen auf den Punkt: „Wir sind ein Fernsehsender, der sein Geld selbst, ohne Sendergruppe und Subventionen verdient und das soll so bleiben.“
Narrenfreiheit für die Satireprogramme
Das räumt dem Sender auch wesentlich mehr Freiheiten ein, schafft Raum für kleine Guerilla-Attacken. Blasberg betont, dass er die neuen Sendungen etwas aggressiver vermarkten will und damit ruhig etwas polarisieren möchte, sich aber ansonsten herausgehalten hat: „Ein Vorschlag von uns war bei allen Formaten, dass unsere Redaktion sich so gut wie nicht einmischt. Wir wollen die Formate mehr an die Öffentlichkeit zerren und haben allen Beteiligten Mut gemacht, so frech und schonungslos wie möglich zu sein.“
Stuckrad-Barre und Kalkofe bestätigen die ihnen überlassenen inhaltlichen Freiheiten, erwähnen sogar, dass für beide Sendungen explizit auf eine Werbeunterbrechung verzichtet wurde. Kalkofe ist von derartigem Mut und Vertrauen begeistert: „30 Wochen 15 Minuten ohne Werbung um 20 Uhr – auf einem Privatsender! Das hat es wirklich noch nie gegeben.“
Weitere Programmeinkäufe fast sicher
Mit den neuen Sendungen ist für Blasberg aber noch nicht Schluss: „Es sind weitere Änderungen am Programm und Neueinkäufe in Sachen Unterhaltung zu erwarten. Wir sprechen mit großen nationalen und internationalen Künstlern des Unterhaltungsbusiness, um uns zu verstärken.“ Vollends fest stünde dabei noch nichts, daher will er auch noch keine Namen nennen.
Blasbergs Finanzierungsfreude wird wohl auch durch ein mögliches Scheitern der neuen Formate in Sachen Quote nicht getrübt werden: „Ich rechne damit, dass Stuckrad-Barre Quoten unter unserem Senderschnitt einfährt. Ich werde die Sendung aber in jedem Fall weiterlaufen lassen.“ Es komme auf den Inhalt an. Und der knallt.
[FOCUS Online, 12.10.2012]
So kapert Oliver Kalkofe den Sender Tele 5
Oliver Kalkofe ist gut in Form - und rechnet wieder ordentlich mit dem Fernsehen ab. So viel ist sicher nach der Premiere der diesjährigen Tele-5-Programm-Roadshow in München. Wenn der Comedian ab kommenden Freitag wöchentlich um 20.00 Uhr 30 Wochen lang mit "Kalkofes Mattscheibe – Rekalked" jetzt beim Tele-München-Kanal zu sehen sein wird, müssen sich die Macher der unzähligen Real-Life-Formate im deutschen Privatfernsehen warm anziehen. Diese nimmt Kalkofe aktuell besonders ins Visier - noch werden "Rekalked"-Folgen produziert.
Bevor ein kleiner Vorgeschmack auf die Sticheleien im "Mattscheibe"-Revival folgt, noch ein Hinweis: Oliver Kalkofe kapert Tele 5 mehr als erwartet. Das Team um Geschäftsführer Kai Blasberg und Programmchef Thomas Friedl überlegt gemeinsam mit dem neuen Sendergesicht, eine Reihe richtig trashiger Filme aufzulegen und sie eventuell im Rahmen einer Eventprogrammierung auszustrahlen. Diese Streifen – zum Teil bereits mit guten Quotenergebnissen von Tele 5 gezeigt - hätten eine echte Fangemeinde und würden nirgendwo anders mehr laufen, so das Argument. Möglicher Titel der Reihe: "Die schlechtesten Filme aller Zeiten", jeweils anmoderiert von Kalkofe. Ihm schweben Titel vor wie der Schocker "Two-headed Shark Attack" oder Italowestern à la "Django" und "Der Tod ritt dienstags". Auch am Kult-Trashstreifen "Sharktopus" scheint Oliver Kalkofe gelegen zu sein: "Oben Zähne, unten Noppen, macht man am Auto fest und frisst vorbeifahrende Radfahrer", so lautet seine Kurzzusammenfassung des Schockers.
Hier nun einige Zoten, die so oder so ähnlich Agenturchefs und Entscheider aus der werbungtreibenden Wirtschaft beim diesjährigen Herbst-Screening von Tele 5 in Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg noch erwarten. Ach ja - mit vier Eigenproduktionen will der Münchner Sender ab Oktober sein Comedy-Segment ausbauen. Neben Kalkofe bekommen auch Christian Ulmen, Peter Rütten und Benjamin von Stuckrad-Barre eine wöchentliche Show.
Vermarktungschef Stefan Graf und Geschäftsführer Kai Blasberg heißen die Gäste jeweils zum "Media Kabarett" Willkommen. Oliver Kalkofe kommentiert es so: "Blasberg und Graf – daraus könnte man eine Sat.1-Anwaltsserie machen." Danach soll er alle Vorzüge von Tele 5 vorstellen – "das geht zum Glück sehr schnell". Und das vor einem Publikum, das vor virtueller Marktmacht nur so strotzt. "Die Luft hat einen Ständer", wirft der Comedian den Etatverwaltern entgegen.
Tele 5 inmitten der Fernsehlandschaft setzt Kalkofe mit dem kleinen gallischen Dorf von Asterix und Obelix gleich, mit einem Senderchef, der in eine "Tasse voll Zaubertrunk" gefallen sei. Kalkofe: "Die Fernsehsender servieren auf einem Silbertablett vergoldete Kacke mit einer Kirsche drauf und verkaufen das als Kobe-Rind. Tele 5 ist anders: Die sagen einfach, dass es Kacke ist, und senden es trotzdem."
Oliver Kalkofe ordnet Tele 5 ein. Der Sender hat längst auf die neue Referenzzielgruppe 20 bis 59 Jahre umgeschwenkt. Das mit der Zielgruppe 14-49 sei ohnehin nur eine Erfindung von RTL gewesen, die einfach alle Privatsenderübernommen hätten, "weil dort viele gesoffen und gekokst und wohl gedacht haben, dass sie das Alter eh nicht erleben". Und so lange diese Zielgruppe noch gelte, sei man ab 50 "der umkippende Sack Reis der Medienwelt in China". Mittlerweile wisse man aber, dass auch 50-Jährige noch ein Gehalt beziehen. Und die 14-Jährigen Teenies, denen man früher Einkaufsmacht bescheinigt habe, würden mit Hosen auf Halbmast nur mehr ächzen: "Gib misch Euro, Opfer!". Kalkofe weiter: Es könne schon sein, dass daneben das ZDF noch um die Zielgruppe der "80- bis 97-Jährigen" bemüht sei, aber alles in allem sei der Schritt hin zur Zielgruppe 20-59 sinnvoll. "Das ist immer noch Scheiße, aber klügere Scheiße", findet Oliver Kalkofe.
Der Comedian setzt sich auch mit den kurzen Filmen zwischen den Filmen auseinander und findet den einen oder anderen Werbespot – auf seine ironische Weise – erwähnenswert. Die Carglass-TV-Kampagne erinnere ihn beispielsweise an einen "Vorlesewettbewerb bei Logopäden". Er möchte nicht die Tür öffnen, sollte Seitenbacher davorstehen. Beim Bratmaxe-Song würde Kalkofe gar am liebsten zum Killer werden.
Über die neue "Qualität" des Fernsehens lässt sich Kalkofe aus. Für Castingshows würden Kandidaten im Jahr 2012 in der Schlange vor dem Arbeitsamt gesucht – je dicker, desto besser. "Bauer mit Frau" versuche, auch die letzten Randgruppen noch zu verkuppeln.
[w&v, 09.10.2012]
Florian Larch ist bei Klondike eingestiegen.
Mit seinen Erfahrungen als Musikredakteur bei ProSieben und Redblue Marketing GmbH ist der 25-Jährige die optimale Besetzung als Junior-Kundenberater der Münchener Kreativen.
Seit Mai betreut der ausgebildete Marketingkaufmann schwerpunktmäßig die Kunden Sennheiser und TELE 5.
[w&v, 25.05.2012]
Klondike verstärkt sich mit Sarah Remböck
Mit Sarah Remböck stößt kreativer Nachwuchs zu der Münchner Agentur Klondike (ehemals Klink Liedig).
Die 24-jährige Kommunikationsdesignerin startet als Junior Art Directorin bei der Münchner Agentur. Sie kommt von Wunderhaus, wo sie für ein Jahr unter Vertrag stand. Davor sammelte sie ihre ersten Agenturerfahrungen bei Heye & Partner in München.
In ihrer neuen Position wird Remböck Projekte für die Kunden Allianz, Tele 5 und die HypoVereinsbank verantworten.
Klondike beschäftigt 30 Mitarbeiter an den Standorten München, Köln und Frankfurt.
[w&v, 31.07.2012]
Klondike engagiert Dirk Hilke
Die Agentur Klondike, München, erweitert das Kreativteam um Art Director Dirk Hilke. Der 44-Jährige betreut Kunden wie HypoVereinsbank, Allianz und Sennheiser.
Der diplomierte Gestalter arbeitete bisher für Grey, Gramm, Indigo, SGP, Sternthaler und den Kastner-Verlag.
Dirk Hilke wird seine fast zwanzigjährige Erfahrung bei Klondike besonders im Grafik- und Webdesign einsetzen.
[w&v, 22.06.2012]
Kampagne für 20/59: Tele 5 macht die neue Zielgruppe zum Testimonial
TELE 5 weist seit diesem Jahr seine Marktanteile auch in der Referenzzielgruppe 20 bis 59 Jahre aus – ein Werbewert, den unter anderem IP Deutschland angestoßen hat. Jetzt geht der Münchner Spielfilmsender aus Herbert Kloibers Tele München Gruppe in die Vollen – und macht die Zielgruppe zum Testimonial einer Kampagne. Ab sofort trommelt TELE 5 unter dem Motto "Ich bin 20/59“ für ein Umdenken in der Wahrnehmung des Fernsehpublikums im Sinne einer repräsentativen Zielgruppe. In fünf Typlologien, vom urbanen Twen-Girl bis zum agilen Mittfünfziger, illustriert sie "Fernsehverhalten, Markenbewusstsein und Konsumwelten dieser facettenreichen Mitte der Gesellschaft“, wie es der Sender umschreibt. Die Kampagne soll verdeutlichen: Die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hat ihren Zenit zeitlich wie inhaltlich überschritten.
Die B2B-Kampagne "Ich bin 20/59“ startet am 24. Mai mit drei Motiven und dem Launch der Microsite. Sie wird fortlaufend aktualisiert. Der Medienmix aus Print- und Onlinemedien alterniert im Jahreslauf. Im Laufe dieses Jahres soll es mit insgesamt fünf Motivschaltungen noch weitere Impulse geben (die Motive sind in der Bildergalerie zu finden). Die Kampagnen-Gestaltung und Konzeption liegt bei Kl,ondike, München. Die strategische Leitung bei TELE 5 hat Thomas Auer inne, der Leiter Marketing & Kommunikation.
Zur Zielgruppe sagt Stefan Graf, Leiter Sales & Services bei TELE 5: "20/59 trägt dem demografischen Wandel, den Kaufkraftrealitäten und der Mediennutzung realitätsnäher Rechnung als 14/49.“ Als Adressat einschlägiger Konsumenten-Kampagnen prägten die 50- bis 59-Jährigen das Bild der Werbewelt längst maßgeblich mit. In einer Referenzzielgruppe "14/49“ bleibe die "Generation 50+“ trotz dieser Tatsache ungezählt und werde damit faktisch ausgeblendet.
[w&v, 25.05.2012]